Neue Therapiemöglichkeit des chronischen Nesselausschlags ( Urtikaria )

Der Nesselausschlag oder Urtikaria ist eine weit verbreitete Erkrankung der Haut die mit wandernden Quaddeln und starkem Juckreiz einhergeht. Die Erkrankung kann mit Schwellungen im Gesicht, der Lippen und des Rachenraumes kombiniert sein ( Angioödeme ), diese können aber auch isoliert auftreten. Bei schwerer Ausprägung sind auch Atemprobleme zu beobachten.
Der oft quälende Juckreiz, die Quaddeln am Körper und besonders wenn Schwellungen im Gesicht auftreten bedeuten eine massive Verminderung der Lebensqualität, zeitweise auch Arbeitsunfähigkeit. Effektive Therapien sind daher dringend notwendig.nesselausschlag-chronisch-beine

Glücklicherweise sind die meisten Fälle akuter Natur, d.h. die Beschwerden sind kurzfristig für ein paar Tage und meist auf Nahrungsmittel oder eine Infektion zurückzuführen. Schwieriger in der Diagnose und quälender für die Patientinnen sind chronische Erkrankungen. Von diesen spricht man wenn die Symptome länger als 6 Wochen anhalten.

Die Ursachenfindung ist in diesen Fällen komplex und oft erfolglos. Als erstes ist zu klären ob die Urtikaria/Angioödem induzierbar ist oder nicht bzw. ob ein bestimmtes Blutdruckmedikament eingenommen wird. Ist die Urtikaria induzierbar durch Kälte, Wärme, Druck, Wasser, körperliche Anstrengung, Kontakt mit div. Matrialien so versucht man die Reizschwelle zu ermitteln und in weiterer Folge diese zu senken oder zu eliminieren.

Die Ursachen der chronisch spontanen Urtkaria bleiben oft im Dunklen.
Bei Verdacht auf Nahrungsmittel assoziierten Ursachen wird eine Eliminationsdiät für mindestens 3 Wochen durchgeführt. Bessern sich die Beschwerden müssen das / die verdächtigen Nahrungsmittel für bis zu 6 Monate vermieden werden.
Chronische Infekte ohne wesentliche klinische Beschwerden sind eine weitere Hauptursache dieses Krankheitsbildes. Den Verdacht einer solchen Infektion erhärtet oft schon eine einfache Routineblutuntersuchung, ausgedehnte Durchuntersuchungen sind lang anhaltenden und schweren Erkrankungen vorbehalten.

Das neue Verständnis der Ursachen, der Klassifikation und die Einführung von messbaren Größen ( Schweregrad, Quality of life Fragebögen mit Score ) hat dazu geführt das die Auswahl der Therapiemöglichkeiten vereinheitlich und nachvollziehbar wurde. Auch der Erfolg einer Therapie kann nun vom Patienten und Ärzt/in gemeinsam besser beurteilt werden.

Therapie und Medikation

Die Therapie folgt einem Stufenplan an dessen erster Stelle ein Antihistamin der 2. Generation steht. Diese Substanzklasse wird ausgezeichnet vertragen und macht nicht müde, auch bei Dosiserhöhung ( bis zu 4-fach – 2. Stufe der Therapie ). Wichtig ist dabei die kontinuierliche Einnahme der Medikamente.

Erst bei fortbestehenden Symptomen werden weitere, meist Immunsuppressiva oder Immunmodulierende Medikamente eingesetzt ( Ciclosporin, Methotrexat, Cortison u.a.). Diese Medikamente sind bei einigen Patienten wirksam, sollten aber nur über einen definierten Zeitraum eingenommen werden.

Mit dem anti-IgE Antikörper Omalizumab ( Xolair® ) halten nun die Biologika Einzug in die Therapie der Urtikaria / Angiödem. Omalizumab wird schon länger in der Behandlung des allergischen Astmas erfolgreich angewendet und die Erfahrung zeigt ein sehr gutes Nebenwirkungsprofil. Die Studien zeigen ein rasches Ansprechen in den ersten 4 Wochen.
Das Medikament wird alle 4 Wochen als subkutane Spritze verabreicht.