Warum Stress Rückenschmerzen verursacht

Dass Stress Rückenschmerzen verursacht, kann mehrere Gründe haben.
Zum einen entspannt man sich nicht. Man sitzt in der Regel sehr verkrampft am Schreibtisch und gibt dem Rücken keine Zeit, die Muskeln zu entspannen. Zum zweiten ist der Muskeltonus erhöht. Auch dann kann sich die Rückenmuskulatur nicht entspannen. Zum Dritten macht Stress unzufrieden. Dadurch nimmt man schon kleinere Schmerzen und Beschwerden stärker wahr.

Weniger Stress, weniger Rückenschmerzen

Einen weiteren psychologischen Risikofaktor stellt das nonverbale Kommunikationsverhalten im Umgang mit Schmerzen dar.

Patienten neigen dazu, ihre Schmerzen über die Mimik (schmerzverzerrtes Gesicht), Gestik (Reiben der schmerzenden Stelle) oder über die Körperhaltung auszudrücken (schiefe Körperhaltung).
Diese Verhaltensäußerungen sind anfangs ein Reflex auf plötzlich einsetzende Schmerzen.

Sie werden chronisch, wenn Angehörige mit besonderer Zuwendung oder Unterstützung darauf reagieren.

Als soziale und arbeitsplatzbedingte Risikofaktoren für spätere chronische Rückenschmerzen haben sich die Zugehörigkeit zu einer niederen sozialen Schicht sowie ein Arbeitsplatz, der eine einseitig konstante Körperhaltung mit sich bringt, erwiesen. Die Vorhersagegüte dieser Merkmale ist jedoch gering, d.h. nicht jeder Patient der diesen angehört zu chronischen Schmerzen neigt.

Sind Rückenschmerzen ein orthopädisches oder ein psychologisches Problem?

Diese Frage stand Anfang des Jahres im Mittelpunkt einer internationalen Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Akute Rückenschmerzen, darüber sind sich die Experten einig, sind in erster Linie ein orthopädisches Problem.

Doch während diese Schmerzen bei den meisten Menschen wie eine Grippe kommen und vergehen, entwickeln bis zu 35 Prozent der Betroffenen chronische Rückenbeschwerden. Beim Übergang von akuten zu chronischen Rückenschmerzen spielen psychologische Risikofaktoren eine entscheidende Rolle.

Rückenschmerzen: Ein Drittel der Fälle wird chronisch

Prof. Dr. Monika Hasenbring, Medizinische Psychologie:
Risikopatienten frühzeitig zu erkennen, bietet zugleich die Chance einer spezifischen Beratung und Behandlung – bevor die Schmerzen chronisch werden. Wie neuere Studien zeigen, ist bereits zwei Monate nach dem Beginn akuter Schmerzen eine Früherkennung chronischer Rückenschmerzen möglich. Wir konnten nachweisen, dass sich zu diesem Zeitpunkt mehr als 80 Prozent der gefährdeten Patienten anhand psychologischer
Risikofaktoren identifizieren lassen.

Zu den Risikofaktoren gehören eine depressive Stimmungslage, anhaltende Alltagsbelastungen in Beruf oder Familie sowie ungünstige Schmerzbewältigung. Zeigen z.B. Patienten mit einem Bandscheibenvorfall eine verstärkte depressive Stimmung, dann neigen sie auch zur Entwicklung chronischer Schmerzen
und kehren seltener an ihren Arbeitsplatz zurück. Die Patienten sind in der Regel nicht im psychiatrischen Sinne depressiv erkrankt.